Das Fest der Liebe in Plenarprotokollen - Wie der Bundestag über Weihnachten spricht


Weihnachten als kulinarisches Chaos – und politische Metapher
In einem Redebeitrag der Grünen-Abgeordneten Dr. Zoe Mayer in einem Plenarprotokoll vom September 2025 über die Mehrwertsteuer im Ernährungsbereich wird das Fest auf besonders anschauliche Weise erwähnt. Sie vergleicht das Steuersystem mit einem typischen Kühlschrank nach Weihnachten – chaotisch und überladen:
„Unsere Mehrwertsteuer im Ernährungsbereich ist wie ein Kühlschrank nach Weihnachten: wahnsinnig unlogisch und schlecht sortiert, und irgendwo ganz hinten im Eck steht was, das schon ein bisschen zu stinken anfängt und dringend aussortiert gehört. Lassen Sie uns also endlich mal Ordnung in das System bringen!“
Die AfD-Abgeordneten Dr. Bernd Baumann und Reinhard Mixl beteuern zwar, dass ihre Kühlschränke nach dem Fest nicht so aussehen – diese beiden scheinen jedoch die einzigen zu sein, die dies von sich behaupten können. Ob das bedeutet, dass der übrige Bundestag damit zugibt, dass Weihnachten auch für sie kulinarisch überfordernd sein kann, bleibt allerdings offen.
Weihnachten als politische Deadline
Doch Weihnachten taucht nicht nur in kulinarischen Bildern auf. In einem Plenarprotokoll ebenfalls vom September 2025 wird das Fest als zeitliche Grenze zitiert – ein Punkt, an dem Projekte abgeschlossen werden.
So empört sich Christian Görke (Die Linke): „Welche Projekte sollen denn in den nächsten drei Monaten noch bis Weihnachten gestartet, geschweige denn umgesetzt werden?“
Hier wird Weihnachten weniger als emotionales Symbol, sondern vielmehr als pragmatische Projektdeadline genutzt – ganz im Sinne des politischen Jahresendspurts.
Weihnachten als Deadline wird natürlich zum Jahresende hin öfters angesprochen. So dankte CDU/CSU Abgeordneter Dr. Carsten Brodesser in der 42. Sitzung des 21. Bundestages kürzlich dem Koalitionspartner. „Ich bin Bundesminister Klingbeil sehr dankbar, dass er noch vor Weihnachten den Regierungsentwurf zur Riester-Reform ins Kabinett einbringen wird, zumal dieser die Voraussetzung für eine wichtige weitere Maßnahme sein wird."
Die Weihnachtsgans als Sinnbild für Bürgerinnen und Bürger
Auch in der 14. Sitzung des 21. Deutschen Bundestages fiel das Wort Weihnachten – diesmal mit einem klassischen Sprichwort. Christian Douglas (AfD) kommentiert zum Thema Bürgerwohl:
„Am Ende ist der Bürger komplett ausgenommen wie eine Weihnachtsgans.“
Monetäre Weihnachtswünsche gibt es auch:
In der 41. Sitzung vom 17. November 2025 erinnert Sören Pellmann (Die Linke) den Bundestag im Zuge der Diskussion über Rentenreform an ein Modell aus Österreich: "Da gibt es Urlaubs- und Weihnachtsgeld für Rentnerinnen und Rentner: Was für ein Ding!"
Ob als Kühlschrankmetapher, Fristmarke oder Spiegelbild sozialer Ungerechtigkeit – Weihnachten scheint auch einen festen Platz in der der politischen Sprache zu haben.
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